Wenn die Turnhalle emotional wird

In der voll besetzten Turnhalle der Anna‑Pröll‑Mittelschule Gersthofen traten am 17.03.2026 insgesamt 21 Teams gegeneinander an – und sorgten für Jubel, Spannung und echte Gänsehautmomente.

Die Turnhalle der Anna‑Pröll‑Mittelschule ist gut gefüllt. Auf den Holzbänken sitzen Eltern, Freunde und Lehrkräfte, während die Musik durch die Lautsprecher dröhnt. Zwischen bunten Lichtern und gespannter Stille stehen die Tänzerinnen und Tänzer des Vöhlins in Startposition – konzentriert, angespannt, bereit. Als die Musik einsetzt, verwandelt sich die Turnhalle in eine Bühne voller Energie. Die ersten Schritte sind präzise, die Bewegungen fließend. Das Publikum klatscht im Takt, einige rufen die Namen ihrer Kinder. „Ich war so nervös, aber dann hab ich einfach alles vergessen“, sagt Clara, eine der Tänzerinnen, später mit einem breiten Grinsen.

Der jährliche Tanzwettkampf der schwäbischen Schulen ist ein Muss – vor allem für das Bernhard‑Strigel‑Gymnasium, das in diesem Jahr mit fünf Tanzgruppen antrat. Insgesamt starteten 21 Teams aus den Klassenstufen 5 bis 13: von Gesellschaftstanz über Hip-Hop bis hin zu Künstlerischem Tanz. Organisiert wurde das Event vom Landesverband Sport und unterstützt von engagierten Trainerinnen, die seit Anfang des Jahres mit ihren Gruppen trainiert hatten. „Es geht nicht nur ums Gewinnen, sondern darum, dass die Schülerinnen und Schüler zeigen, was in ihnen steckt“, erklärt die Moderatorin.

Während vorne getanzt wird, herrscht im abgetrennten Teil der Turnhalle – der heute als Backstage dient – ein ganz eigener Zauber. Inmitten eines kreativen Chaos wärmen sich die Teams auf. Manche üben letzte Schritte, andere sitzen im Kreis und halten sich an den Händen. „Wir gehen immer nochmal alle Schritte durch und üben unsere Saltos noch einmal“, erzählt Johanna S., die in der Unterstufen‑Tanzgruppe des BSG tanzt. Sie hofft auf einen Sieg: „Einerseits wäre es toll zu gewinnen, aber wir tanzen gegen die großen Rock’n’Roller – also auch gegen unsere Trainerinnen. Deswegen wäre es umso cooler.“ Ein paar Meter weiter übt eine Tänzerin der Oberstufe ihren Kniesprung, den sie später zeigen wird.

Besonders beeindruckend ist der Auftritt der Oberstufen‑Tanzgruppe des Strigel, die zu „Hope“ tanzt – eine Choreografie, bei der man die Verzweiflung förmlich spüren kann. Eine Zuschauerin sagt später, sie habe „so eine Gänsehaut“ gehabt. Auch die Gruppe des Gastgebers sorgt für Begeisterung: Ihr Hip‑Hop‑Mix bringt die Halle zum Beben, einige Zuschauer stehen sogar auf, um mitzutanzen.

Doch nicht alles läuft perfekt. Bei einem Team rutscht ein Tänzer kurz aus, fängt sich aber sofort wieder. Das Publikum reagiert mit aufmunterndem Applaus. „Das gehört dazu. Wichtig ist, dass man weitermacht“, sagt später ein Jurymitglied.

Als die erste und zweite Runde getanzt sind, zieht sich die Jury zur Beratung zurück. Die Tänzerinnen und Tänzer nutzen die Pause, um etwas zu essen, aufs Klo zu gehen und sich zu beruhigen – die Aufregung ist überall spürbar. Schließlich dürfen sie sich auf die Siegerehrung freuen.

Die Bezirkssieger der Förderschulen zeigen noch ihre Performances, dann herrscht gespannte Stille. Die Teams sitzen auf dem Hallenboden und halten sich an den Händen. Als die Ergebnisse verkündet werden, ist alles dabei: Freude, Trauer, Frust. „Die Stimmung war irgendwie nicht wie sonst, es war ganz anders“, sagt Mia S.

Für das Bernhard‑Strigel‑Gymnasium gibt es gute und schlechte Nachrichten: Die Rock’n’Roll‑Unterstufe wird Zweiter, die Mittelstufe holt Platz 1. Doch die Mittelstufen‑Tanzgruppe landet auf Platz 4 – ebenso beide Oberstufengruppen. „Was war das für eine Jury? Ich glaube, die mochten uns nicht! Das können die nicht machen“, meint Fanzi M. „Ich kann mich gar nicht richtig für mich selbst freuen, weil es für voll viele ja jetzt das letzte Jahr war“, sagt Lena G.

Langsam packen die Gruppen ihre Sachen, machen letzte Erinnerungsfotos und gehen zu ihren Bussen, die sie nach Hause bringen. In der Turnhalle liegt noch ein Hauch Musik und Glitzer des Tages. Für viele war es mehr als ein Wettkampf – es war ein Moment voller Mut, Gemeinschaft und Leidenschaft, aber auch Trauer und Abschied. Alles in allem ein Beweis dafür, dass eine Turnhalle mehr zur Bühne werden kann als jeder Theatersaal.

Mia Schmitt

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